Mehr als tausend Jahre nach diesen
Worten des Paulus wird einer geboren, den manche für einen Narren hielten.
Einer, der eine große Freiheit im Herzen hatte und danach lebte.
Giovanni die Pietro, den sie Franziskus nannten, erblickt 1182 im italienischen
Assisi das Licht der Welt.
Seiner wohlhabenden, sicheren Karriere stehen alle Wege offen, denn er wird
in ein reiches Elternhaus geboren. Sein Vater ist Textilhändler. Doch
er verlässt den vorgezeichneten Weg.
Auf dem Marktplatz von Assisi,
in der Öffentlichkeit, so wird erzählt, zieht er seine Kleider
vor seinem Vater aus, gibt sie ihm und sagt: Ich gebe dir alles
zurück, was ich von dir habe. Nicht nur meine Kleider und meinen Besitz,
sondern auch meinen Namen. Ab heute nenne ich dich nicht mehr Vater, sondern
sage nur noch: Vater unser im Himmel."
Franziskus lebt ein Leben in Armut. Und die hängt mit seiner inneren
Freiheit zusammen, mit seiner Unabhängigkeit von Menschen und Sachen.
Franz erkennt diese seine Freiheit, als sich ihm das Vorbild Jesu einbrennt.
Und er findet Menschen, die seinen Lebensstil teilen. In einem Leitfaden"
für ihre Gemeinschaft zitiert er Worte des Evangeliums: Sorgt euch nicht
ständig um Essen und Kleidung. Lasst euch ein auf ein Leben, in dem
die Letzten die Ersten sind. Lasst euch ein auf das Reich Gottes.
Franz lässt die Ordnungen des Geldes los und verlässt die vorgegebenen
Abläufe der Familie, der Gesellschaft. Er findet die Kraft, in seiner
Seele frei zu werden; in seiner Seele wie im Vertrauen auf die Liebe Gottes
zu uns und im Gefühl, Gott nahe zu sein; diesem Gott in den Gesichtern
der Menschen, im Gesang der Welt. Dieses Gefühl führt ihn zu einer
enthusiastischen, verrückten" Freude.
Es heißt, zu den Brüdern um Franz sei eines Tages eine alte Frau
gekommen und habe um Hilfe gebeten. Die Mönche hatten aber keine
Wertgegenstände außer einem Neuen Testament in ihrer Kirche. Franz
entscheidet: Gebt ihr das Neue Testament, damit sie es verkaufen kann!
Steht nicht in diesem Buch, dass wir den Armen zu Hilfe kommen sollen? Ich
glaube, dass Gott mehr Freude haben wird, wenn wir das Buch verschenken,
als wenn wir daraus lesen."
Die Freiheit des Franziskus ist nicht folgenlos geblieben.
Gebe uns Gott ein gutes Stück davon.
H.-M. Kischkewitz , Pfarrer in Altentreptow
von 1994 bis 2001