2. Die Entstehung der St. Petri - Kirche
Die St. Petri - Kirche in ihrer gotischen Backsteinbauweise, wie wir
sie heute sehen, entstand im 13., 14. und Anfang des 15. Jahrhunderts.
In der Zeit davor (12./Anfang 13. Jahrhundert) stand an ihrer Stelle ein
einfacherer Bau vermutlich aus Holz, jedoch auf einem sehr soliden
Feldsteinfundament. Noch heute stößt man bei Grabungen auf dem
Kirchplatz auf ungezählte Feldsteine verschiedener Größe. In früheren
Zeiten hieß der Ort, wo die Kirche steht, Burgberg. Diese Bezeichnung
wie die vielen Steine legen nahe, dass schon die „Vorgängerkirche"
auf den Resten einer Burg errichtet wurde. Im Zuge der Völkerwanderung
besiedelten die Slawen weite Teile unseres Landes; sie werden sich hier
eine Burg gebaut haben.
Als ein reges Handelsstädtchen blühte Treptow im Mittelalter auf. Die
„Vorgängerkirche" wurde abgerissen und mit dem Backsteinbau -
wie in anderen Städten der damaligen Zeit - begonnen. Die Ausmaße der
Kirche im 13. /14. Jahrhundert waren zunächst noch nicht so groß, wie
deren heutige. Sowohl an der Außenhaut wie im Inneren der Kirche lassen
sich ihre ursprünglichen Maße gut erkennen. Die Ostwand befand sich
auf der Höhe, wo heute die Kanzel ist, dass heißt den gesamten
Altarraum gab es zunächst noch nicht. Die Säule, an der die Kanzel
sich befindet und die Säule der Kanzel gegenüber sind breiter als alle
anderen - hier wurde angebaut. Das Gewölbe im Kirchenschiff ist ein
Kreuzrippengewölbe, das über dem Altarraum ein Sternrippengewölbe -
auch hier der Absatz deutlich sichtbar. Der Gemeinde ging es im 14./15.
Jahrhundert wirtschaftlich so gut, dass sie sich eine Erweiterung der
Kirche leisten konnte. In den Annalen der Kirchengeschichte ist der Raub
der vasa sacra (der Abendmahlsgeräte) durch den Herzog von Pommern im
Jahre 1355 überliefert. Kostbare Kelche und Hostiendosen waren ein
Indiz für den Wohlstand einer Gemeinde. Natürlich wurde eine Kirche
zur Ehre Gottes errichtet, und das konnte nicht groß und herrlich genug
sein, aber ein solcher Bau diente auch immer der eigenen Reputation. So
wurde neben dem Altarraum Anfang des 15. Jahrhunderts auch der
Kaufmannschor - an der Südseite des Altarumgangs - angebaut. Dieser
Seitenchor ist nur über eine kleine Wendeltreppe von außen zu
erreichen. Er diente den Kaufleuten dazu, am Gottesdienst teilzunehmen,
ohne dabei die Gemeinde zu stören. Kamen die Kaufleute doch nicht
selten etwas zu spät, brachen vorzeitig wieder auf, um Geschäfte zu
machen, kurz um: Es entstand häufig Unruhe. Für sie entstand schließlich
dieser Chor, und sie konnten kommen und gehen, wie sie wollten. In dieser
Gestalt ist die Kirche erhalten geblieben bis in unsere Tage. Das ist
keine Selbstverständlichkeit und deshalb Grund zur Dankbarkeit, denn
nicht selten wurden im Laufe der Geschichte Kirchen zweckentfremdet, so
diente manche zum Beispiel im 30-jährigen Krieg als Kaserne und
Pferdestall.